SVNRW-Fahrtenseglerehrung

Unter Leitung des Vizepräsidenten Breitensport, Fahrtensegeln, spezielle Segeldisziplinen und Umwelt Ulrich Haase folgte eine große Anzahl der am Fahrtenwettbewerb teilgenommen Skipper, Skipperinnen und Crewmitglieder der Einladung in die Gastronomieräume des Duisburger Yachtclubs, wo bei Kaffee und Kuchen die interessanten Reisen und Erlebnisse von den Fahrten 2017 dargestellt wurden und mit Preisen und Auszeichnungen versehen wurden. 

Die Jury hatte es nicht leicht

Gabriela Thiele und Jürgen Hütter bildeten die Jury, die es nicht leicht hatte, unter den unterschiedlichsten Reisen diejenigen auszusuchen, die mit einem Wanderpreis ausgezeichnet wurden. Der Nachmittag wurde von Ulrich Haase moderiert, während Jürgen Hütter und Gabriela Thiele sich die Laudationes teilten.

Alle Ehrungen aus der Präsentation

Minox-Fernglas für eine Yacht

Unser Partner MINOX stiftete ein wertvolles Fernglas für die Yacht, die am meisten beim Wettbewerb eingesetzt wurde. Frank Suchanek erhielt zur Ausstattung für die vereinseigene Yacht OEDING (X 46) vom Yachtklub Bayer Uerdingen diesen tollen Preis und die zahlreich mitangereisten Vereinsmitglieder freuten sich mit ihm.

Wanderpreis Jugend

Ziel der Jugendfahrt 2017 des Segelklubs Bayer Uerdingen aus Krefeld war es, Jugendlichen die Freude am Fahrtensegeln und dabei auch die Regeln einer guten Seemannschaft zu vermitteln.Frank Suchanek, Vorsitzender des Klubs und selbst erfolgreicher Regattasegler hatte dazu mit  Barbara Novak und Bärbel Gobs-Hevelke ein Konzept entwickelt, das sie selbst mit der Überschrift „Jugend lehrt Jugend“  versehen haben.

Für den Jugendtörn während der Sommerferien im August 2017 standen in Heiligenhafen  gleich drei Yachten zur Verfügung, die beiden Klubyachten „Oeding“, eine X 46, mit Frank Suchanek als passiver Skipper und Kolja Wieruch als jugendlicher Co.,die „Op Joeck“, Bav 36 mit Barbara Novak und Birgit Hillerkus sowie die gecharterte „King of Lions“ eine Feeling 44 mit Bärbel Gobs-Hevelke und Arne Hillerkus. Insgesamt nahmen 15 Jugendliche im Alter zwischen 8 und 19 Jahren teil.

Nach einer intensiven Vorbereitungsphase, die  die Jugendlichen überwiegend mit einer eigens gebildeten Planungsgruppe selbst geleistet haben, wurde festgelegt,  daß die Teilnehmer selbst ihre täglichen Fahrtziele abstimmen, Wetter und Windverhältnisse checken und auch die Schiffs- und Logbuchführung übernehme würden, natürlich immer unter aufmerksamer Begleitung der Erwachsenen.

Nach Übernahme der drei Yachten stand wurde zunächst eine intensive Einführung aller Teilnehmer, insbesondere in Sicherheitsfragen einschließlich Verteilung und Einweisung der Notrollen an, bevor die ersten Schläge im Fehmarnsund in Angriff genommen wurden. Nach 2 Tagen Eingewöhnungsphase mit immerhin 35 m Strecke und nur 5 davon unter Motor wurden weitere Ziele gesteckt – Lemkenhafen-Laboe-Olpenitz, dann über Kiel-Leuchtturm nach Orth und zurück nach Heiligenhafen. Insgesamt wurden an 6 Fahrttagen 187 Seemeilen zurückgelegt, davon 92 % unter Segeln., also im Durchschnitt über 30 Meilen täglich - für die jugendliche Gruppe eine sportliche Leistung, die hohe Anerkennung verdient, ebenso wie der veranstaltende Verein Segelkub Bayer Uerdingen, der hier völlig neue Wege gegangen ist, um seine Zielsetzung zu erreichen – Jugendliche an das Fahrtensegeln heranzuführen und ihnen den Einstieg leicht zu machen. Dass dabei auch die Freude am Segeln und am Gemeinschaftserlebnis  nicht zu kurz gekommen ist, davon zeugt ein eingehender, flott geschriebener und interessant gestalteter Fahrtbericht mit zahlreichen Bildern, den der SKBUe vielleicht auf seiner Internetseit auch Interessierten aus anderen Vereinen zugänglch machen sollte. Für seine vorbildliche, innovative Aktion erhält der SKBUe deshalb auch den JUGENDPREIS 2017.

Wanderpreis Binnen/Küste

Der Hiltruper Segel-Club führt seit 2011 jährlich einen  inzwischen traditionellen Frauentörn durch, immer als langes Wochende über Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam. Bereits für den zweite Törn mußte ein größeres Plattboden-Schiff gechartert werden und seit 4 Jahren benötigt die Frauenschar zwei Schiffe. Zum 2017er Törn fanden sich zu Fronleichnam insgesamt 17 Damen (plus 1 „Quotenmann“) in Workum am Ijsselmeer ein:

Gisela Hartmann als  Skipperin mit Silke Förster, Irmgard Altemeier, Britta Winter,  Michaela Heuer, Iris Kolbe und Jutta Berger übernahmen  die „Kikkerkoning“, eine Vissermanaak, 14,35 m lang und 5 m breit,  Alida Kranenburg als  Skipperin, mit Nele Förster, Sandra Wewel,Sahi Onay, Annette Schockmann,Heidi Gerdes, Sandra Holtfester, Leonie Patalas, Brigitte Tielker und Sabrina Heidemann  die „Vrouwe Franciska“,  eine   Lemsteraak von 15m  Länge und  5,20 Breite – für Nichtkenner  - beides schwere traditionelle Stahl- Plattbodenschiffe mit Seitenschwertern und der bedienungsintensiven Gaffeltakelung. „Quotenmann“ Henk Verboom wurde als Fotograf und Bootswart  des Vereins auf der Kikkerkoning „geduldet“.

Nach dem Passieren einiger Schleusen, mit den klotzigen Schiffen keine einfache Übung,  gingen im Ijsselmeer die schweren Gaffelsegel hoch,  es konnte gesegelt werden. Mit meist mittlerem Wind ging es zunächst nach Enkhuizen, dann ins Markermeer nach Hoorn, über Medemblik nach  Stavoren,  und dann binnen über das Heeger Meer, Gaastmeer und Lange Flietzurück nach Workum. Insgesamt wurde in 4 Fahrttagen ohne Hafentag 104 Seemeilen zurückgelegt, davon rund 70 unter Segeln – für die behäbigen Plattbodenschiffe  mit begrenzten Qualitäten an der Kreuz eine anerkennenwerte sportliche Leistung, die neben seemännischen Fertigkeiten auch die körperliche Leistungfähigkeit gefordert hat, ebenso wie das technische Verständnis  der Damencrews, die z.B. mit einem gebrochenen Aufhole-Leine eines Seitenschwerts, einer festsitzende  Winsch und einem verklemmten Großsegel fertig werden mußten,wobei sogar eine der Damen mit dem Bootsfraustuhl in den Mast gehievt wurde.

Zusammenfassend kann man sagen, daß der 2017er Frauentörn des Hiltruper Segel-Clubs ein voller Erfolg war, der allen Teilnehmern neben seglerischen Erlebnissen und  den vielen Besichtigungstouren durch die hübschen kleine Hafenstädte am Ijsselmeer auch viel Freude an den gemeinsamen   Aktivitäten  mit den Clubkameradinnen gebracht hat. Dies drückt auch der Abschluß-kommentar im Fahrtenbericht aus, den  zwei Damen flott und informativ geschrieben haben, die zum ersten Mal dabei waren: Dieser Törn war ein unvergessliches Erlebnis! Es hat sehr viel Spaß gemacht und somit: Ziel erreicht! Wiederholung gefällig? Aber sicher! Es hat nicht nur Spaß gemacht, sondern ist auch eine bemerkenswerte Initiative des Hiltruper Segelclubs, den die Jury deshalb gern mit dem Wanderpreis Binnen/Küste für das Jahr 2017 auszeichnet.

Ich freue mich sehr, anhand dieses Beispiels darauf hinzuweisen, zu können,  daß im diesjährigen Fahrtenwettbewerb der höchste Anteil an weiblichen Skippern zu verzeichnen ist, an den ich mich erinnern kann – von 22 teilnehmenden Yachten   hatten  9 weibliche Skipper, die vom schweren Plattbodenschiff bis zur schnellen X 46  und vom Mittelmeer bis zu den norwegischen Fjorden  auf einer große Bandbreite des Segelsports  hervorragende Leistungen gezeigt haben. Dazu an alle teilnehmenden Seglerinnen die hohe Anerkennung und herzliche  Gratulation der Jury.

Wanderpreis Hochsee

Der hohe Norden scheint es Dr. Karsten Idel vom Segelklub Bayer Uerdingen aus Krefeld angetan zu haben, - er ist sozusagen Wiederholungstäter in Sachen Nordlandfahrten. Im norwegischen Bergen übernahm er von einer Vorcrew die bewährte Clubyacht OEDING, Typ X-46 und segelte mit der Crew Barabara Novak, Ulrich Jaroschek, Carsten Müller, Jörg Runge und Franz Vogt nach Norden „ins Land der Mitternachtssonne“. Die sehr ambitionierte Zielsetzung sollte möglichst eine Umrundung des Nordkaps  realisieren, bevor der Rückweg zur Übergabe nach Tromsö angetreten werden musste. 

Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt, daß es hier um einen Weg von rund 1000 Meilen nach Norden und 300 Sm Rückweg handelt – und das im vorgebenen Zeitfenster von 15 Tagen. Dies war nur möglich durch 10 Nachfahrten bei nur einem Hafentag – und der wegen Starkwindgefahr.

Schon der erste Schlag von Bergen bis zum Holandsfjord wurde mit fast 500Sm nonstop zurückgelegt. Auch die weiteren Wunschziele wurden erreicht: Aufstieg zum Svartisengletscher am Polarkreis, Besuch der Lofotenhäfen Reine mit Ersteigung des 442 m hohen Reinebringen mit märchenhafter Aussicht, Kabelvaag, und Nusford, Besuch des bekannten Trollfjords und der Walbeobachtungsstation bei der Insel Andöya, und schließlich die Umrundung des Nordkaps, das von Honningsvaag aus auch auf dem Landweg besucht wurde. Auch die Rückstrecke bringt mit der Mitgliedschaft im Eisbärenklub in Hammerfest, einer harten Kreuz durch den Söröysund und dem Besuch des Jökelfjords mit einem einzigartigen Gletscher, der bis ins Meer reicht, noch einige seglerische und touristische Highlights, bevor Tromsö als Zielhafen einer 1300 Seemeilen langen überaus seesportlichen Segelreise erreicht wird die Oeding pünktlich an die Nachfolgecrew übergeben werden kann.

Die minutiöse nautisch wie logistisch umfassende Planung bezog alle Mitsegler von vornherein ein und umfaßt neben den navigatorischen und Wetterfragenn sowohl die notwendigen Bekleidung wie auch eine eingehende kulinarische Vorbereitung. Erfahrene, stets sicherheitsbewusste Schiffsführung in diesem wetter- wie gezeitenmäßig sehr anspruchsvollen Revier, intensive Wetterbeobachtung und- nutzung, die Einbeziehung der großartigen Landschaften, vor allem aber die Gemeinschaftsleistung der Crew ermöglichte einen großartigen Törn, der nahezu perfekt umgesetzt wohl selbst die hochgespannten Erwartungen der Teilnehmer mehr als erfüllte und den die Jury gern mit dem Wanderpreis des SVNRW für Hochsee/See auszeichnet.

Ulrich Küppers,

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