Schutz vor Gewalt

Schutz vor sexualisierter Gewalt

Prävention sexualisierter Gewalt im Sport hat für den Segler-Verband NRW e.V. (SVNRW) eine große Bedeutung. Bereits zum Landesjugendseglertag 2012 wurden die Verbandsvereine aufgerufen den Ehrenkodex zu unterzeichnen und die Inhalte des Kodex in ihren Vereinen umzusetzen. Die Vertreter von mehr als 60 Vereinen oder Segelgemeinschaften sind damals diesem Aufruf öffentlichkeitswirksam nachgekommen und haben an diesem Tag den Ehrenkodex unterschrieben. Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen möchte der SVNRW in allen Verbandsvereinen eine Kultur des Hinschauens etablieren. Durch die Auseinandersetzung und einen sensiblen Umgang mit dem Thema wird niemand unter einen Generalverdacht gestellt. Im Gegenteil, es wird informiert, aufgeklärt, enttabuisiert, denn Schweigen schützt die Falschen. Mit diesem Konzept möchte der SVNRW der Verantwortung gerecht werden und seinen Mitgliedsvereinen zur Seite stehen.

Verpflichtungen des Segler-Verbandes NRW e.V.

Durch das Kinder- und Jugendschutzgesetz sind freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe verpflichtet eine Vereinbarung mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Kindesgefährdung und sexualisierter Gewalt zu treffen, wenn diese öffentliche Mittel beziehen bzw. beziehungsberechtigt sind. In NRW ist §72a des achten Sozialgesetzbuches die Grundlage für die Vereinbarung mit dem LVR als umsetzendes Organ. Bestandteil dieser Vereinbarung mit dem LVR sind das erweiterte Führungszeugnis und ein Präventionskonzept.

Für den SVNRW ist die Vereinbarung mit dem LVR zwar der Motor für ein Präventionskonzept, aber nicht der entscheidende Faktor. Im Fokus des SVNRW steht ganz besonders der Schutz von Kindern und Jugendlichen, die Sensibilisierung für das Thema Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport und natürlich auch die Hilfestellung für alle Verbandsvereine. Allerdings sehen wir auch, dass junge Erwachsene und auch die für uns tätigen Personen geschützt werden müssen, vor Übergriffen, vor leider auch möglichen und bereits erlebten falschen Anschuldigungen. Mit dem segelspezifischen Präventionskonzept möchte der SVNRW mit gutem Beispiel vorangehen und die Verbandsvereine motivieren sich ebenfalls intensiv mit Prävention vor Gewalt zu beschäftigen.

Grundsätzliche Verhaltensregeln - Verbandsknigge

Mit gutem Beispiel voran zu gehen bedeutet, sich die grundlegenden Aspekte eines sportlich-fairen Miteinanders zurück ins Gedächtnis zu rufen. Als Partner der Initiative "vollWERT Sport" rückt der SVNRW die Werte des Sports besonders in den Mittelpunkt. Respekt zeigen, die Würde des Anderen achten, Verantwortung übernehmen, Leistung erbringen, kritikfähig zu sein, fair zu handeln sowie Hilfe anzubieten sind die Fundamente des Vereins- und Verbandslebens. Diese Werte sollten sich in allen Aspekten des sportlichen Umgangs im Verein und im Verband widerspiegeln.

Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auch auf den sprachlichen Umgang miteinander gelegt werden.

Gewalt gegenüber anderen muss nicht unbedingt in physischer Form erfolgen. Grenzüberschreitungen können auch in einer verbalen Form erfolgen. In unserer Umgangssprache verzichten wir auf sexistische, beleidigende und gewalttätige Äußerungen.

Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses

Warum wird die Vorlage eines Führungszeugnisses verlangt?

Dem SVNRW ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt wichtig*. Er hat deshalb mit dem Landschaftsverband Rheinland als überörtlichem Träger der öffentlichen Jugendhilfe eine Vereinbarung zur Umsetzung des § 72a SGB VIII (Achtes Sozialgesetzbuch) geschlossen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt und Kindeswohlgefährdung. Darin hat sich der SVNRW freiwillig verpflichtet, einschlägig vorbestrafte Personen (ab 14 Jahre) im Sinne der vorgenannten Vorschrift von Tätigkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe auszuschließen und darüber hinaus weder haupt- noch ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten zu lassen.

Die Überprüfung erfolgt durch die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses, das im Vorlagezeitpunkt nicht älter als 3 Monate sein darf. Die Vorlage hat spätestens alle 5 Jahre neu zu erfolgen. Bei Anhaltspunkten für eine Verurteilung nach einer der genannten Straftat ist der SVNRW verpflichtet, unverzüglich die Vorlage eines aktuellen Führungszeugnisses zu verlangen.

Derzeit sind in § 72a SBG VIII folgende Straftaten aufgeführt:

  • 171 StGB Verletzung der Erziehungs- oder Fürsorgepflicht
  • 174 StGB Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen
  • 174a StGB Sexueller Missbrauch von Gefangenen, behördlich Verwahrten oder Kranken u. Hilfsbedürftigen in Einrichtungen
  • 174b StGB Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung einer Amtsstellung
  • 174c StGB Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses
  • § 176 - 176b StGB Sexueller Missbrauch von Kindern
  • 177 – 179 StGB Sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch, Vergewaltigung
  • 180 StGB Förderung sexueller Handlungen von Minderjährigen
  • 180a StGB Ausbeutung von Prostituierten
  • 181a StGB Zuhälterei
  • 182 StGB Sexueller Missbrauch von Jugendlichen
  • 183 StGB Exhibitionistische Handlungen
  • 183a StGB Erregung öffentlichen Ärgernisses
  • 184 – 184 d StGB Verbreitung pornographischer Schriften und Darbietungen
  • 184e – 184f StGB Ausübung verbotener und jugendgefährdende Prostitution
  • 225 StGB Misshandlung von Schutzbefohlenen
  • 232 – 232a StGB Menschenhandel, Förderung des Menschenhandels
  • 234 SGB Menschenraub
  • 234 StGB Entziehung Minderjähriger
  • 236 StGB Menschenhandel

Wer muss ein Führungszeugnis vorlegen?

Die Vorlagepflicht hat der SVNRW beschlossen für:

  1. alle hauptamtlich Beschäftigte des Verbandes,
  2. alle Mitglieder des Vorstands und der Ausschüsse (Vorbildfunktion)
  3. alle freiberuflichen Referenten und Trainer die für den SVNRW tätig werden
  4. alle Personen, die für/ im Namen den SVNRW bei einer Maßnahme tätig werden, die eine gemeinsame Übernachtung mit Kindern und Jugendlichen vorsieht

Referenten, die für den SVNRW ein Tagesseminar ohne Übernachtung und ohne minderjährige Teilnehmer abhalten oder die spontan oder kurzfristig eine Tätigkeit für den SVNRW übernehmen, können (im Ermessen des SVNRW) von der Verpflichtung zur Vorlage eins Führungszeugnisses ausgenommen werden, wenn sie die „Persönliche Verpflichtungserklärung“ abgeben, die derjenigen in der Anlage 2 der oben genannten Vereinbarung mit dem Landschaftsverband Rheinland entspricht.

Wie läuft das ab?

Der SVNRW stellt dem Betroffenen einen Vordruck zur Verfügung für die „Beantragung eines erweiterten Führungszeugnisses gemäß § 30a Abs. 2 BZRG“ (Bundeszentralregistergesetz). Mit diesem beantragte der Betroffene bei der zur ihn zuständigen Meldebehörde der Gemeinde/Stadt an seinem Wohnsitz das Führungszeugnis. Dieses wird dem Betroffenen per Post zugeschickt.

Der Betroffene trägt in das „Dokumentationsblatt“ seine persönlichen Daten sowie Aktenzeichen und Datum des Führungszeugnisses ein. Das Dokumentationsblatt ist online verfügbar und kann ausgedruckt werden. Dieses legt er sodann zusammen mit dem Führungszeugnis der/dem Präventionsbeauftragten des SVNRW und bei deren/dessen Verhinderung dem/der Datenschutzbeauftragten des SVNRW zur Einsichtnahme vor. Alternativ kann das Führungszeugnis per Post an den SVNRW geschickt werden. In diesem Fall ist der Brief zu adressieren an:

Präventionsbeauftragte des SVNRW - PERSÖNLICH

Segler-Verband Nordrhein-Westfalen e.V.

Friedrich-Alfred-Straße 25

47055 Duisburg

 

Der/Die Präventionsbeauftragten des SVNRW vermerkt sodann auf dem „Dokumentationsblatt“, dass und wann das Führungszeugnis mit welchem Ausstellungsdatum vorgelegen hat sowie, ob darin eine rechtskräftige Verurteilung wegen einer in § 72a SBG VIII genannten Straftaten eingetragen ist oder nicht. Andere Eintragungen werden nicht erfasst! Unabhängig von den ohnehin bestehenden Datenschutzvorschriften hat sich der SVNRW in der eingangs genannten Vereinbarung mit dem Landschaftsverband Rheinland ausdrücklich verpflichtet, keine anderen Daten zu erheben und zu speichern als diejenigen, die in dem Datenblatt aufgeführt sind.

Anschließend verbleibt das „Dokumentationsblatt“ beim SVNRW. Das Führungszeugnis verbleibt beim Betroffenen bzw. wird an diesen zurückgesendet.

Gibt es eine Alternative zur Vorlage beim SVNRW?

Ja, der Betroffene kann (auf eigene Kosten) das Führungszeugnis einem Notar seiner Wahl vorlegen und sich von diesem auf dem „Dokumentationsblatt“ bestätigen lassen. Anschließend ist dann nur das „Dokumentationsblatt“ beim SVNRW einzureichen.

* https://svnrw.org/files/data/download-center/der-verband/2017/Broschuere2017/SVNRW-2017.pdf

Präventionsbeauftragte des SVNRW, die das Führungszeugnis einsehen darf, ist Mona Küppers, zu erreichen unter m.kueppers@svnrw.org

Qualifizierung

Der SVNRW wird alle Mitglieder des Vorstandes, des LJSA, des Ausschuss für Leistungssport sowie alle für den SVNRW tätigen Personen zu einem Qualifizierungsworkshop bitten. Alternativ kann auch an der Multiplikatorenschulung für die Vereinsvertretungen teilgenommen werden.

Der SVNRW wird zwei Vertreter (möglichst je männlich und weiblich) als Ansprechpartner für die Vereine benennen. Diese Vertreter werden entsprechend geschult. Sie unterstützen beratend Vereine bei der Einführung von Präventionsmaßnahmen oder eigenen Präventionskonzepten. Weiter vermitteln sie Kontakte zu Experten oder Hilfsorganisationen und erarbeiten ein Netzwerk zu Schaffung von Synergieeffekten. Ziel ihrer Tätigkeit ist unter anderem eine Sensibilisierung für Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der gesamten Segellandschaft NRWs.

Lizenzentzug durch den Deutschen Segler-Verein (DSV)

§3 der Schlichtungsordnung des DSV beschreibt die Gründe für einen Lizenzentzug. Eine rechtskräftige Verurteilung eines Lizenzinhabers wegen einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung nach dem 13. Abschnitt des besonderen Teils des Strafgesetzbuches ist ein wichtiger Grund für den Lizenzentzug. Vom DSV erteilte Lizenzen werden ausschließlich vom DSV entzogen. Der SVNRW behält sich allerdings vor, dem DSV einen Lizenzentzug zu empfehlen.

Sollte ein Täter/eine Täterin nicht rechtskräftig verurteilt werden, auch wenn nachweislich eine schwere Grenzverletzung vorliegt, behält sich der SVNRW ebenfalls vor dem DSV den Lizenzentzug zu empfehlen. Basis für dieses Vorgehen sind die Rahmenrichtlinien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Grenzen des normalen Körperkontaktes beim Segeln

Es gibt verschiedene Sportarten und Rituale im Sport, die mit Körperkontakt verbunden sind. Segeln gehört nicht zu den Sportarten, die durch intensiven Körperkontakt geprägt sind. Aber auch beim Segeln lässt sich Körperkontakt nicht immer vermeiden. Insbesondere bei der Rettung von Kindern und Jugendlichen aus dem Wasser können vermeintlich unsittliche Berührungen stattfinden (Griff an das Gesäß o.ä.), die aber zur schnellen und sicheren Rettung erforderlich sind und keinesfalls in einem sexualisierten Zusammenhang stehen. Eventuell benötigen Kinder Unterstützung beim An- und Ausziehen des Trockenanzugs oder der Schwimmweste. Natürlich hat die Sicherheit oberstes Gebot und der optimale Sitz der Schwimmweste sollte bei Anfängern kontrolliert werden. Nach einiger Übung und bei ritualisierter Selbstüberprüfung reicht gegebenenfalls auch eine visuelle Überprüfung. Hier muss der Übungsleiter/ die Übungsleiterin natürlich immer das Alter bzw. den Entwicklungsstand der Kinder beachten. Zum eigenen Schutz sollte der Körperkontakt mit Kindern so weit wie möglich vermieden werden.

Segelspezifische Verhaltensregeln - Empfehlungen an Vereine

So unterschiedlich wie die Verbandsvereine selbst, sind auch die Strukturen der Vereine und die räumlichen Gegebenheiten. Ein vereinseigenes Clubhaus mit umfangreichen Sanitäranlagen und Umkleiden ist keinesfalls Standard. Wie auch immer die jeweilige Situation am See ist, die Kinder sollten immer die Möglichkeit haben, sich alleine umzuziehen. Umkleiden und Duschen sollten für Erwachsene, egal ob Eltern, Betreuer_innen oder Trainer_innen, tabu sein. Ist das Betreten unbedingt erforderlich, sollte dies immer durch gleichgeschlechtliche Personen erfolgen. Es empfiehlt sich, die Umkleide zu zweit zu betreten, dann ist das Vier-Augen-Prinzip gewahrt. Vorab anzuklopfen, damit die Kinder und Jugendlichen sich etwas überziehen können, sollte selbstverständlich sein. Der Gebrauch von Handys/ Smartphones mit Kamerafunktion sollte für alle in den Umkleiden untersagt sein.

Der SVNRW empfiehlt seinen Verbandsvereinen das Thema Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport offen im Verein anzusprechen, die Mitglieder zu sensibilisieren und Transparenz zu schaffen. Sich mit diesem Thema zu beschäftigen bedeutet nicht, dass ein konkreter Verdachtsfall vorliegt. Durch einen offenen Umgang mit Prävention sexualisierter Gewalt wird keine Person unter einen Generalverdacht gestellt. Im Gegenteil, die Bedeutung des Kinder- und Jugendschutz wird in den Fokus gerückt. Durch die bewusste Auseinandersetzung können Situationen vermieden werden, welche unter Umständen zu falschen Verdächtigungen führen könnten.

Die Vereine sollten zwei Mitglieder (männlich und weiblich) als konkrete Ansprechpartner gewinnen. Die Kontaktdaten dieser Ansprechpartner sollten ausgehangen werden und auch auf der Internetseite des Vereins zu finden sein.

Der Verein sollte besonders diese beiden Ehrenamtlichen im Bereich der Prävention sexualisierter Gewalt im Sport die Möglichkeit zur Qualifizierung geben. Der Landessportbund NRW bietet über VIBSS verschieden Schulungsmöglichkeiten an.

Materialien/Informationen

Weiter wird im Bereich "Schutz vor Gewalt" auf der SVNRW Homepage auf folgende Kampagnen und Organisationen verwiesen: