Landesmeisterschaft FINN

Yacht-Club Lister richtet die Landesmeisterschaft im Finn aus

Eigentlich sollte die Landesmeisterschaft schon letzte Woche an der Sorpe ausgetragen werden. Dort gab es am ganzen Wochenende jedoch keine Wind, so dass kein einziger Lauf gestartet werden konnte. Der Yacht-Club Lister sprang spontan in die Bresche und bot an, die Landesmeisterschaft während der noch anstehenden und geplanten Regatta am 9. und 10. September nachzuholen. Die Formalitäten waren schnell erledigt, Vorstand und SVNRW stimmten zu. So wurde aus dem Westfalenpreis die Landesmeisterschaft mit hochkarätigem Feld. Zur Siegerehrung wurde das einfache und engagierte Procedere ausdrücklich von den Offiziellen gelobt.

Der Wettergott war den Seglern am Samstag mit Dauerregen und unstetigem Wind zwischen 0 und 3 Beaufort nicht besonders gnädig. So ereigneten sich auch gleich mehrere Kenterungen, darunter auch Martin Cordes, 2. Vorsitzender des gastgebenden YCL. Weitere Kenterungen im zweiten Lauf führten dazu, dass einige Teilnehmer für den Samstag die Segel strichen und sich in der Gastronomie bei Heißgetränken wieder aufwärmten.

Gleich im ersten Lauf kam es außerdem zu lautstark geäußerten Protesten. Einen Protest kann jeder Segeler in begründeten Fällen gegen einen anderen Segler aussprechen, wenn eine Regelverletzung vorliegt. Dies wird am Ende des Wettkampftages vor dem Schiedsgericht verhandelt. In diesem Fall kam es zu einer 2-stündigen Verhandlung mit dem Protestführer, drei Gegnern und drei Zeugen, die gehört wurden. Am Ende musste sich sowohl der Protestführer als auch die Gegner mit einer Disqualifikation für den Lauf zufrieden geben.

Nachdem dies geklärt war, trank und aß man wieder in guter Tradition zusammen und erfreue sich an der Happy Hour, dem Freibier und den Köstlichkeiten vom Grill. Neben dem harten Wettkampf steht immer der gemeinsame Spaß.

Auch für die DLRG Welschen-Ennest war der erste Wettkampftag nicht vergnügungssteuer-pflichtig. Bei strömendem Regen saßen die Wasserretter im Wesentlichen auf ihrem Boot und schauten zu. Bei den Kenterungen sicherten sie die Havaristen, durften aber nur eingreifen, wenn dies vom Segler gewünscht war, da dann für den Segler der Lauf beendet ist. Daher wird im Allgemeinen versucht, das Boot ohne fremde Hilfe aufzurichten und weiter zu segeln.

Der Sonntag meinte es besser mit den Sportlern. Ordentlicher Wind mit Sonne und Wolken hatte den Regen verdrängt. So konnten weitere zwei Läufe gesegelt werden. Die gesamte Regatta zeichnete sich durch ein recht homogenes Leistungsniveau aus, was nach jedem Lauf zu interessanten Verschiebungen innerhalb der Platzierungen führte. Der Ausgang der Landesmeisterschaft war bis zum Ende offen. Durch einen fulminanten Sieg im letzten Lauf konnte sich so Klaus Reffelmann noch den zweiten Platz ersegeln.

Platz 1 und die Landesmeisterschaft sicherte sich schließlich Udo Murek vom Yacht-Club Bayer Leverkusen, gefolgt von Vize-Landesmeister Klaus Reffelmann vom Westfälischen Yachtclub Deleke von der Möhne und Karl-Heinz Erich vom Allgemeinen Hessischen Yachtclub (Platz 3). Da letzterer jedoch nicht für Nordrhein-Westfalen startet, wurde er innerhalb der Landesmeisterschaft nicht gewertet. Den dritten Platz in der Landesmeisterschaft holte Uwe Fernholz vom YCL nach Hause. Dies entsprach dem fünften Platz der Gesamtwertung. Auf Platz 4 rangiert ebenfalls ein Nicht-NRWler, Dirk Sundermann vom Segel-Club Dümmer aus Niedersachsen.

 

Besondere Aufmerksamkeit sei auch noch auf den ältesten Teilnehmer, Horst Schlick, gelenkt. Dieser zeigte sich mit seinen 84 Jahren äußerst agil in seinem Boot. Zurecht zollte man ihm großen Respekt, insbesondere für Platz 14 in der Gesamtwertung von 21 Teilnehmern.

Des Weiteren sei hier noch erwähnt, dass sich in dieser sehr männerlastigen Bootsklasse am Wochenende zumindest eine Frau in der Wettfahrtleitung befand. Isabel Niebel vom YCL stand ihre Frau zwischen 21 männlichen Teilnehmern und einem fast rein männlichen Organisatorenteam (Schiedsgericht und Wettfahrtleitung) und begleitete die Regatta auf Seiten der Offiziellen.

Und eine letzte außergewöhnliche Besonderheit: Der Drittplatzierte Karl-Heinz Erich ist Mitglied in einem virtuellen Segelverein. Der Allgemeine Hessische Yachtclub existiert nur im Internet. Der Verein hat weder ein Bootshaus noch ein Heimatrevier noch Steganlagen oder ähnliches. Er gibt seinen Mitgliedern die Möglichkeit an Regatten teilzunehmen, da man hierfür in einem Verein unter dem Dachverband des Deutschen Segler-Verbandes organisiert sein muss. Über die Internetseite werden die Mitglieder zusammen gehalten. Entsprechend gering ist der Jahresbeitrag. Von dieser interessanten und eigenwilligen Sorte Verein gibt es deutschlandweit eine Handvoll Exemplare.

(Text und Bilder: Anti Mathea)

 

YCL-PM-LM-Finn-1.jpg: Das Teilnehmerfeld auf dem Weg zur Leetonne. Es führt mit der Segelnummer 39 Karl-Heinz Erich. Das Boot mit der Segelnummer 909 gehört zum späteren Landesmeister Udo Murek.

YCL-PM-LM-Finn-2.jpg: Die Sieger der Regatta und nordrhein-westfälischen Landesmeister (v.l.n.r.): Karl-Heinz Erich, Dirk Sundermann, Klaus Reffelmann, Udo Murek, Uwe Fernholz

YCL-PM-LM-Finn-3.jpg: Die Landesmeister Klaus Reffelmann, Udo Murek und Uwe Fernholz (von links) zusammen mit Ulrich Haase vom SVNRW (ganz links).

Ulrich Küppers,

Zurück